Gervasius & Protasius 2014 - 850 Jahre Schutz & Segen

VI.

Geschichte einer Wunderheilung

 

(hm) Im Zusammenhang mit der Auffindung der Gebeine von Gervasius und Protasius berichtet Ambrosius im 4. Jahrhundert von einem Wunder, das einen Mann von seiner Blindheit heilte. Auch im Münster St. Stephan wird von einer Wunderheilung berichtet.

Am zweithintersten, südlichen Pfeiler des Münsters hängt ein wenig beachtetes, etwa 107 mal 87 cm großes, im 17. Jahrhundert entstandenes Ölgemälde. Das von acht kleineren Bildern umrahmte Hauptmotiv in der Tafelmitte zeigt die Stadtpatrone Gervasius und Protasius.

Was erfahren wir aus dem im Stil eines Votivbilds gehaltenen Gemälde? Die Geschichte ist in einem schwer lesbaren Text, wohl im damaligen hiesigen Dialekt, beschrieben. Die uns kaum mehr geläufige Frakturschrift macht dem modernen Leser die Entzifferung schwer.

Am 30. November des Jahres 1617, lesen wir, sei »mittels göttlichen Gnaden und durch Fürbitt bei den Blutzeugen Gervasii und Prothasii« ein Wunderzeichen geschehen. Die geistliche Frau Scholastica von Ampringen sei von unerhörten Krankheiten heimgesucht worden; ihre Füße waren ganz gelähmt. Ein dreiviertel Jahr lang habe man sie »heben, legen und tragen» müssen, »wo sie hingemiest«.

In ihrer Not habe sie sich mit der Sänfte von Schloss Biengen nach Breisach bringen lassen. Im Münster harrte sie einen Gottesdienst lang hoffend und betend vor dem Silberschrein der Stadtpatrone aus. Mit höchster Verwunderung hätten viele Zeugen gesehen, wie sie danach aus eigener Kraft aufgestanden und »ohne alle Hilf auf den rauen Steinen« zum Wessenburgischen Haus gegangen sei. Man habe das Ereignis als eine »Wundertat des ewigen gnedigen guettigen bamherzigen Gottes« verstanden.

Die acht kleineren Bilder zeigen das Geschehen der Wunderheilung: Wie die Kranke in Biengen zur Kutsche getragen wird, wie sie in Breisach ankommt, ihr Gebet vor dem Silberschrein im Münster, wie die Geheilte mit eigener Kraft die Kutsche besteigt, usw.

Am Textende werden Menschen genannt, die das Geschehen als Augenzeugen miterlebt haben.

Aus «unser Münster« 2-2002, S. 2

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