Gervasius & Protasius 2014 - 850 Jahre Schutz & Segen

IV.

Der Silberschrein

(hm) Als Breisach 1480 von einer schweren Überschwemmung heimgesucht wurde, gelobten die Einwohner, sich wieder ernsthafter der Verehrung der Stadtpatrone zuzuwenden. Dafür beschloss man die Anfertigung eines wertvollen Reliquenschreins. Die Arbeit daran hatte man dem Straßburger Silberschmied Petrus Berlyn übertragen.

Der Sage nach war er zuvor zum Tode verurteilt worden. Um sein Leben zu retten, habe er den Auftrag gerne angenommen, besonders sorgfältig gearbeitet und den heute noch bewunderten prachtvollen Silberschrein gestaltet. Am 18. Juni 1498 wurden die Gebeine der Stadtpatrone aus dem alten hölzernen Sarg in den neuen Silberschrein übertragen.

Der Schrein hat die Form eines Hauses mit Walmdach. Ihn tragen vier holzgeschnitzte, goldene Löwen. Mit seiner Fülle von Figuren und Reliefs gilt er als Kleinod des mittelalterlichen Kunsthandwerks am Oberrhein. Petrus Berlyn hat unter anderem dargestellt: Kreuzigungsgruppen, die Stadtpatrone, deren Eltern, die drei Weisen aus dem Morgenland, Petrus und Paulus, den Kirchenvater Ambrosius. Eine Seite des  Walmdachs zeigt die legendäre Überführung der Reliquien ins St.Stephansmünster und hält die Ansicht der vieltürmigen mittelalterlichen Stadt von Westen her fest.

Der Silberschrein kostete damals 1500 Gulden, was nach heutigem Wert etwa 15 000 Euro entspräche.

 

Nach G. KLEIN: Das Breisacher St. Stephansmünster

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