Gervasius & Protasius 2014 - 850 Jahre Schutz & Segen

III.

Das Boot, das einfach nicht losfahren wollte

 

Wie die Breisacher den Erzbischof überzeugten, die Reliquien in der Münsterstadt zu lassen.

 

BREISACH. Im Mittelpunkt der heutigen Folge steht die Geschichte, wie der Erzbischof von Köln dazu gebracht wurde, die Reliquien der Märtyrerbrüder Gervasius und Protasius im Jahr 1164 in Breisach zu lassen.

Der Erzbischof von Köln war mit den Reliquien auf dem Weg von Mailand nach Köln. Von Basel aus fuhr er mit einem Boot nach Breisach. Nach Überlieferungen baten Abgeordnete der Stadt den Erzbischof vor der Weiterfahrt um die Reliquien eines der Heiligen Märtyrerbrüder Gervasius und Protasius. Sie wünschten sich, dass auch die Bürger Breisachs einen "heldenmütigen Blutzeugen Christi" als Stadtpatron verehren konnten. Der Erzbischof kam der Bitte nach und "gab ihnen die Gebeine eines der heiligen Brüder".

Als er aber die Fahrt mit den Gebeinen des anderen Bruders fortsetzen wollte, gelang es den Ruderknechten bei aller Anstrengung nicht, das Boot vom Ufer wegzubewegen.

Warum, das hatten die zum Abschied gekommenen Breisacher sofort verstanden: "Sie können doch nicht", riefen sie dem Erzbischof zu, "den armen Protasius alleine mit nach Köln nehmen. Das Boot geht nur deshalb nicht vom Fleck, weil die beiden Brüder sind und beieinanderbleiben wollen."

Der Erzbischof zeigte wieder Einsicht. Er ließ den Breisachern auch die Gebeine des anderen Märtyrerbruders übergeben. Als er mit seinem Gefolge danach wieder im Boot Platz genommen hatte, fuhr dieses mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige ohne Widerstand vom Ufer los.

 

In einer großen Prozession trugen die Breisacher die heiligen Gebeine von Gervasius und Protasius zum Münster und setzten sie dort in einem Holzschrein bei.

Diesen Teil der Geschichte kann man auf dem wunderschönen Silberschrein im Altarfuß im Breisacher Münster studieren. Dort sind die Türme, Häuser und Mauern der mittelalterlichen Stadt mitsamt der großen Prozession in Silber getrieben. Dieses Bild ist die erste bekannte Darstellung der Stadt Breisach.

Seither sind die Brüder Gervasius und Protasius echte Breisacher. Und der Boden des neuen Zelebrationsaltars des Münsters von 1995 wird als "Floß" bezeichnet – in Erinnerung an die denkwürdige Ankunft der Heiligen Stadtpatrone mit dem Boot.

Gervasius & Protasius