Gervasius & Protasius 2014 - 850 Jahre Schutz & Segen

Ein Schrein von unschätzbarem wert steht hier in Breisach in unserem Münster. Nach all den Jahrhunderten grenzt es an ein Wunder, dass diese Kostbarkeit unbeschadet noch immer im Besitz von uns Breisachern ist. Zumal die Geschehnisse schon mit dem Jahr 1162 als nicht friedlich bezeichnet werden können.

Aber was macht den Schrein so wertvoll - und was ist er überhaupt wert - die Frage haben mich schon viele Schulkinder während einer Münsterführung gefragt. Und ist gar dieser Kunstschatz wert eine 850 Jahrfeier zu begehen? Nur weil Reliquien von weniger bekannten zwei Heiligen sich darin befinden? Dafür ein STADTFEST?

Ja wir feiern 850 Jahre Breisacher  STADTPATRONE - welchen Wert das hat möchte ich nicht zuerst beantworten, sondern zuerst auf die Frage der beiden eingehen: Was geht ab? Hier mal ein erster Überblick über dieses Jahr 2014:

Heute beginnen wir dieses Jahr mit diesem Empfang

am 20. Juni steuert dieses Festjahr auf den ersten Höhepunkt zu. Am Abend dieses Tages wird eine Ruderbarke am Rheinufer anlegen. In einem szenischen Spiel am Ufer wird an diesen denkwürdigen Tag im Jahr 1164 erinnert. Jener Tag an dem Reinald von Dassel mit seinem Gefolge in Breisach weilte. Wertvolle Fracht wird auch an diesem Abend in die Stadt, ins Münster gebracht. Und mit einem Fest auf dem Münsterplatz findet dieser Tag einen geselligen Abschluss. Und dann das Stadtfest am 22. Juni: Der Tag beginnt ungewöhnlich - um 9 Uhr mit der Prozession. Die beginnt wiederum am Rhein - nach einer Station auf dem Marktplatz geht es weiter zur Martin-Bucer-Kirche - dem Ort für die Festpredigt. Im Münster schließlich feiern wir Eucharistie. Und wieder ein geselliger Abschluss auf dem Münsterplatz.

Und nachdem am Freitag die Ruderbarke in Breisach angelegt hat, verabschieden wir die Ruderer schon zu Beginn unserer Prozession mit dem Reisesegen - die Ruderer machen sich auf eine Ruderwallfahrt nach Köln.

Begleitet werden die Ruderer ab Mittwoch 24. Juni von einer Buswallfahrt, die die Teilnehmer über Speyer, Worms und Koblenz nach Köln führt. In einem feierlichen Gottesdienst am 28. Juni endet diese Wallfahrt im Kölner Dom.

Am Ende des Jahres am Stephanstag besucht uns aus Anlass des Festjahres unser Erzbischof Dr. Robert Zollitsch als Festprediger und am Silvestertag wird im Münster der Münsterchor ein Konzert zu Ehren unser Stadtpatrone geben.

Das ist nicht alles: Gestern und heute künden die Sternsinger auch von Gervasius und Protasius, die Kindergärten werden von Botschaftern besucht, die die Heiligenlegende den Kindern nahebringen. Der ursprüngliche hölzerne Schrein soll originalgetreu nachgebaut werden und die Ruderer sollen dann „diesen unechten Schrein“ mit nach Köln nehmen. Das Hornkonzert mit der Stuttgarter Hornklasse von Professor Lampert in drei Wochen steht im Zeichen der Stadtpatrone - am 25. Januar.

Einen einen eigenen Wein wird es geben!

Für das Stadtfest wird ein Projektchor aus Mitgliedern aller Chören der Stadt gebildet, also auch aus Gündlingen, Nieder- und Oberrimsingen. Und natürlich kann jeder Chorbegeistere Breisacher Sänger mit singen. Vorträge erhellen die Geschichte von Heiligenverehrung und unserer Stadt, eine Sonderausstellung im Museum macht all dies anschaulich. Was besonderes und bleibendes wird die 100 seitige Festschrift mit zahlreichen Bildern und informativen Texten! UND es GIBT noch viele andere Sterne, noch ohne Beschreibung und ohne konkrete Planung sind - bei denen erst die Idee im Entstehen ist.

Mit dem bisher beschriebenen erreichen wir sicherlich schon viele, aber eigentlich möchten wir möglichst alle Breisacher erreichen - und versuchen zu vermitteln, welche Bedeutung die Stadtpatrone hatten und vor allem heute haben. Der eine oder andere von ihnen hat vielleicht gerade jetzt eine Idee, und sei es vielleicht einfach nur die Vereinsfahne zur Prozession am 22. Juni mitzubringen, vielleicht hat der ein andere oder andre ein ganzes Projekt im Kopf, vielleicht ein Projekt an den Schulen, vielleicht wollen sie die IDEE einfach weitergeben.

Ich habe hier Sterne, die können sie mitnehmen. Die passen wunderbar z.B. in ihren Geldbeutel. Der Stern hilft ihnen, ihre Idee mitzuteilen oder auch ihr Projekt in diesem Jahr zu planen. Über das Jahr wird auch die Berichterstattung in der Presse uns alle auf dem Laufenden halten,

UND für alle nicht Zeitungsleser (bei weitem nicht mehr alle lesen die Tagespresse) haben Gervasius und Protasius eine eigene Facebookseite eingerichtet und auf der Internetseite gervasius-protasius.de gibt es auch aktuell auch alle Informationen!  Aber was ist die Botschaft die unsere Stadtpatrone für uns haben, oder ausgehend von der Frage der Kinder nach dem Wert des Schreins, wie kostbar ist der Schrein, wie kostbar sind die Reliquien, wie kostbar sind Gervasius und Protasius - was macht die beiden und den Schrein unbezahlbar HEUTE?

Hier mein Versuch einer Antwort:

Ausgerechnet das Stadtfest macht in Breisach Ökumene erlebbar! Gervasius und Protasius stiften gerade an diesem Tag Gemeinsinn und Gemeinschaft. Ein zweites Beispiel: Der Name „Europastadt“ ist mehr als eine Werbemarke. In ihm kommt der Grundgedanke zum Tragen, warum wir Breisacher uns als Europäer verstehen:

Offenheit, gegenseitige Achtung, wechselseitiges Verstehen, friedliches Zusammenleben - in der Stadt und über die Stadtgrenzen, über politische und ethnische Grenzen hinaus. In Breisach wurden und werden noch heute zwei verehrt, die zu ihrer Zeit verfolgt wurden – weil sie anderer Überzeugung waren, weil sie zu ihrem Glauben standen, weil sie für ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlt haben.

Mit den Reliquien kamen diese Heiligen nach Breisach. Weil unsere Vorfahren ihnen vertrauten und sich ihnen anvertrauten, wenn sie in Not waren, haben sie über Jahrhunderte segensreich in unserer Stadt gewirkt. Unser Münster ist lebendiges Zeugnis dafür. Hier liegt der Wert unserer Stadtpatrone, darin liegt auch der doppelte Auftrag an uns:

Die Aufgabe - nicht nur in dem vor uns liegenden Jahr - der Überzeugung, dem Tun der beiden Glaubenszeugen nachzuspüren und die Aufgabe, die sich für uns daraus ergibt,

wie sie - mit der gleichen Überzeugung - Schutz und Hilfe denen zu geben, die diese brauchen oder bei uns suchen.

So gesehen sind unsere beiden Heiligen, auch wenn sie weniger bekannt sind, sehr zeitgemäß!

 

Martin Hau, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Münsterpfarrei Sankt Stephan

 

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